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Das Thema Russlanddeutscher wird in diesen Beiträgen
besprochen:
| 1. Thema: |
Besuch in Vinnitsa :) |
Jetzt bin ich also doch in die Ukraine gefahren. Habe alle Scam-Aengste und Befuerchtungen Zuhause gelassen und es einfach probiert. Am Freitag Morgen den 29. September ging es los. Flug gebucht von Duesseldorf nach Kiev mit der Lufthansa, 254 Euro ueber LTUR, morgens um fuenf klingelt der Wecker. Bin eigentlich ganz gut ausgeschlafen und voller Vorfreude, schnell die letzten Sachen zusammengepackt und Richtung Bonn Hauptbahnhof.
Der Zug hatte direkt Verspaetung, das geht ja gut los, aber egal, ich habe ja noch genug Zeit.
Angekommen in Duesseldorf erstmal zum Lufthansa-Schalter mein elektronisches Ticket holen. Aha, jetzt verstehe ich, warum ich zwei Stunden vor Abflug da sein sollte, hier stehen ja Menschenmassen. Wollen die etwa alle nach Kiev? :D Aber die Schlange bewegt sich schnell vorwaerts und schon habe ich mein Gepaeck eingecheckt, durch alle Kontrollen durch zum Gate.
Ziemlich wenig Fluggaeste nach Kiev, mir gegenueber eine sehr ansehnliche Ukrainerin mit Kind, wurde auch sofort von einem hoechsten 18-jaehrigen Juengling angesprochen und zugelabert, aus Vladivostok, Russlanddeutscher, sehr pfiffig. Ich lauschte dem russischen Gespraech interessiert, bis dann unser Flug ausgerufen wurde und schon sass ich im Flieger, man war ich nervoes. OK cool bleiben, der Flug dauerte nur ca. 2 Stunden 20 Minuten und ich landete in Kiev Borispol.
Die Abfertigung an der Passkontrolle war sehr zuegig, es droehnte ukrainische Popmusik aus einem Fernseher und ich fuehlte mich schon recht heimisch. Dann durch die beruehmte Glastuer, ich schaute mich um, aber meinen Schatz sah ich nirgendwo, aber dafuer stuermte direkt ein Taxifahrer auf mich zu. „Taxi nado, taxi pozhalujsta“, Njet njet, ich will erstmal meine Suesse finden, sofort der naechste Taxifahrer. Njet njet, taxi ne nado, nicht noetig, oh je sind die nervig. Ueberall umgeschaut, aber meine Bekannte nirgends zu sehen. Ich zuecke also mein Handy und rufe an, sie meldet sich, aber die Verbindung ist so schlecht, dass ich den Eindruck hatte, Kontakt mit einem Unterseeboot aufgenommen zu haben. Noch mal probiert: Wo bist Du? Ich stehe unter dem Fernseher, wo die ganzen Leute stehen. Und dann trafen sich unsere Blicke, direkt vor mir. Sie war genauso niedlich wie auf den Fotos. Oh was ist das? Untenrum aber um einiges kraeftiger gebaut als auf den Fotos! Na gut dachte ich mir, ist egal, sind halt weibliche Rundungen, ich habe ja auch nicht gerade ein Six Pack, sondern nur ein One Pack :) Direkt die ersten sehr stuermischen Kuesse, ich war froh sie zu sehen, sie auch, wir gingen Hand in Hand zur Bushaltestelle.
Sofort der naechste Taxifahrer: Taxi nado? Njet njet, meine Freundin protestierte: Wir wollen mit dem Bus fahren, lassen Sie uns in Ruhe! Der Taxifahrer daraufhin: Warum? Taxi billig, sehr gutes Auto, fast umsonst! Njet njet, wir fahren mit dem Bus. Und das taten wir dann auch und unterhielten uns. Die Verstaendigung klappte ganz gut. So, wie kommen wir jetzt nach Vinnitsa? Meine Freundin sagte, dass wir zum Bahnhof fahren, dann ein Ticket kaufen und mit dem Zug nach Vinnitsa weiter, kein Problem.
Von wegen kein Problem. Vor dem Fahrkartenschalter draengelte sich eine Menschenmenge, es war Freitag nachmittag und alle Studenten und Berufstaetigen fuhren zurueck, keine Tickets mehr nach Vinnitsa erhaeltlich, aber wir sollten in einer halben Stunde wiederkommen, vielleicht wuerde ja einer ein Ticket zurueckgeben. Das taten wir dann auch, aber nichts. Also auf zum Primiski-Bahnhof, da wuerden elektrichka, Elektro-Zuege fahren. Aber auch da, keine Tickets mehr nach Vinnitsa mehr zu haben. Mein Schatz meinte, kein Problem, die nehmen uns trotzdem mit, einfach hingehen und darum bitten, mitgenommen zu werden. Aber die Schaffner blieben stur, nicht ohne Fahrkarte, was mich auch kaum verwunderte. OK sagte Irina, zurueck zum anderen Bahnhof. Allmaehlich fuehlte ich eine gewisse Genervtheit in mir aufsteigen.
Ich also mit meinem Koffer zurueck, so ein Rollkoffer, den man hinter sich herrollt. Bin bestimmt bald schon zehn Leuten damit ueber den Fuss gefahren, izvinite pozhalujsta, ich dachte es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich das erste Mal eine auf die Fresse bekomme :) Nein, Planaenderung, wir koennen mit der Marschrutka fahren, die war aber gerade weg. OK sagte mein Schatz, wir kaufen jetzt eine Fahrkarte und fahren sofort los. Ich verstand jetzt nur noch Bahnhof, ok also zurueck zum Primiski Bahnhof, das erste Hemd hatte ich bereits durchgeschwitzt. Wir kauften dann eine Fahrkarte und stiegen in letzter Minute in einen total ueberfuellten Zug ein, wo man kaum noch stehen konnte. Es mischte sich ein Geruch aus Schweiss und Wodka in dem Abteil, vor mir ein Opa mit aufgeschlagener blutiger Nase, der mich aber immer freundlich anlaechelte, und einige Jugendliche, drei Stunden Stehen war angesagt. Wohin fahren wir jetzt ueberhaupt? Nach Koziatin aha, wo auch immer das sein mag, und da steigen wir um in einen Zug nach Vinnitsa. Gibt es denn da noch einen Umsteigezug? Ja, ich hoffe es, meinte meine Freundin und ich harrte mal einfach der Dinge die da kommen werden.
Tatsaechlich gab es eine Umsteigemoeglichkeit in Koziatin, und wir fuhren mit einem Schlafwagenzug aus Lvov kommend Richtung Vinnitsa. Interessant fuer mich war, dass die Schlafwagenabteile offen waren und man den Leuten beim schlafen zuschauen konnte. Bei uns im „Abteil“ einige Jugendliche aus Lvov, die ukrainische Sprache klingt aber geil, Mensch das sind ja alles polnische Woerter, nur dass sie nicht so gezischt werden wie im Polnischen und mit russischer Kasusendung dran, ochen interesno, duzhe cikawi.
Um zwoelf Uhr nachts kamen wir dann in Vinnitsa an, schnell noch ein paar Lebensmittel eingekauft, mein Schatz wollte unbedingt noch kochen, Vareniki, sehr lecker uebrigens. Die Dame von der Agentur, bei der mein Schatz das Zimmer gemietet hatte erwartete uns an einer Bushaltestelle und zeigte uns das Appartment, total schoene Wohnung, 25 Euro pro Nacht, alles holzvertaefelt, mit Barockmustern an den Waenden. Nach dem Essen legten wir uns dann endlich schlafen, Schnitt aus Zensur, morgen geht’s weiter :) Mal schauen was der morgige Tag bringt, bin gespannt wie es in Vinnitsa aussieht, heute habe ich irgendwie nur Bahnhoefe gesehen und Bahnhof verstanden, posmotrim, mal schauen, wie der alte Russe sagt. |
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