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Das Thema Beziehungen wird in diesen Beiträgen besprochen:

1. Thema: Pkw-zulassung in d. Ukraine
moin moin georg,
kommt darauf an was fuer ein auto.neu oder gebraucht,im geschaeft oder privat.
kaufst du im geschaeft,machen die auch die anmeldung.kaufst du privat,musst du mit dem verkaeufer zum ab-und anmelden.
zum kaufen brauchst du immer pass und identifikationsnummer.zum anmelden zusaetzlich natuerlich die fahrzeugpapiere.bei gebrauchten auf tuev achten.nicht zu vergessen eine versicherung.bei barzahlung reicht eine haftpflicht die du dir selbst aussuchen kannst,gibt es ab 400 grivna,bei ratenzahlung bekommst du eine vorgeschrieben,die auch eigene schaeden reguliert.kostet ab 2500 grivna.
die ganze anmeldung kostet etwa 3% vom fahrzeugwert.
ob schmiergeld erforderlich ist,erkennst du in den augen und an aeusserungen deines gegenueber.wenn dieser sich an kopf oder kinn kratzt und was von schwierigkeiten faselt,leuchten in den pupillen automatisch dollarzeichen auf.
diese zeichen kannst du ignorieren,du kannst aber auch etwas fuer die persoenlichen beziehungen zwischen mensch(du) und amt(er) tun.macht sich gut,wenn du das amt nochmal in anspruch nimmst.geh aber moderat mit deinen scheinchen um.
gruss.paul
ps:das ganze gilt fuer kiew,kann woanders anders sein.
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2. Thema: Interview mit Wladimir Sorokin
Im Gespraech: Wladimir Sorokin

Kehrt Iwan der Schreckliche wieder?

13. Januar 2008 Das freundliche Aeussere von Wladimir Sorokin steht in Gegensatz zu seinen Buechern. Sie handeln von Terror und blutiger Gewalt. Im Tischtennisraum seines Hauses am Moskauer Stadtrand spricht der Autor ueber sein neues Buch und seine Hoffnung auf Demokratie in Russland.

In wenigen Tagen erscheint die deutsche Uebersetzung Ihres Romans „Der Tag des Opritschnik“, der in Russland in einer recht nahen Zukunft spielt. Im Land wuetet ein Terrororden, ein Klon der Opritschnina-Spezialgarde von Zar Iwan dem Schrecklichen. Der Bewohner des immer offener autoritaeren Putin-Staats meint bei der Lektuere, in einen Prognosespiegel zu schauen. Wie kam es, dass Sie ploetzlich ein derart wirklichkeitsinspiriertes Buch geschrieben haben?

Warum, koennte ich beim besten Willen nicht sagen. Kunstwerke ereignen sich. Der „Opritschnik“ erwischte mich voellig unerwartet. Ich hatte fuenf Jahre Arbeit an der „Ljod“-Trilogie hinter mir, die einem brutalen, esoterisch weltfluechtigen Orden Auserwaehlter nachspuert, und war auf eine Ruhephase eingestellt. Beim Spazierengehen mit meinem Hund warf ich ihm einen Knochen zu. Doch statt ihn zu apportieren, tanzte das Tier um den blutigen Knochen herum. Das wirkte auf mich wie ein Katalysator. Uebersaettigte Salzloesungen kristallisieren sich manchmal ploetzlich. Offenbar hatte sich in mir viel realgeschichtliches Salz abgelagert. Ich schrieb den „Opritschnik“ in sechs Wochen nieder. Weitere acht Wochen schrieb ich ihn um. Der volkstuemliche, von der muendlichen Rede inspirierte Tonfall, den die russische Philologie „Skas“ nennt, macht den „Opritschnik“ zu einer Art Prosagedicht. Nie habe ich ein Werk so sehr als Poesie erfahren. Der Text musste fuer die Strasse taugen. Er war wie eine Partitur, keine Note durfte falsch klingen.

Ihre vorigen Buecher, der „Himmelblaue Speck“, die „Ljod“-Trilogie, waren vor allem metaphysische Gleichnisse. Im „Opritschnik“ landen Sie nun auf dem Erdboden des neuen russischen Geheimdienststaats. Liessen sich die Brutalitaeten der neunziger Jahre leichter sublimieren, weil es schien, das postsowjetische Russland habe das Schlimmste hinter sich - waehrend es seit der Jahrtausendwende scheint, als stuende das Schlimmste noch bevor?

Meine „Ljod“-Romane und der „Opritschnik“ wurden wirklich von zwei unterschiedlichen Autoren geschrieben. Ich war immer apolitisch. Zur Sowjetzeit schrieb ich zwar antisowjetische Texte, war aber nie Dissident. In den neunziger Jahren verstand ich mich als internationaler Autor. Ich war Weltbuerger, Antikommunist, dabei aber in erster Linie Metaphysiker. Putin hat unseren politischen Kompass umgestellt. Das kommunistische Gespenst ist ploetzlich wieder da. Zum ersten Mal fuehlte ich mich als Staatsbuerger gefordert. Der „Opritschnik“ wurde ein Buch ueber das Hier und Jetzt. Eine Bekannte aus der russischen Business-Elite hat gesagt, die neunziger Jahre seien lustig und schrecklich gewesen - die ersten Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts aber seien nur noch schrecklich. Solche Dinge beeinflussen das Schreiben.

Sie verwahrten sich stets gegen den didaktischen Anspruch der russischen Literatur. Inzwischen ist auch in Ihrer Heimat die Kultur kommerziell geworden. Sie selbst sind ein Star der Hochglanzpresse. Und da erfinden Sie eine Art neuen Realismus. Welche Aufgabe stellen Sie heute an die Wortkunst?

Immer die gleiche: mich in der Wirklichkeit zu verorten. Schreiben ist fuer mich eine Ueberlebenshilfe. Fuer mich steht keines meiner Buecher ueber den anderen. Jedes ist die Frucht einer bestimmten Epoche. Wenn der aeussere Druck ansteigt, wie jetzt, waechst die Macht des Wortes. Viele nachdenkliche Russen sehen heute nicht mehr fern, Nachrichten holen sie sich aus dem Internet. Es werden mehr ernste Buecher gelesen. Die Auflagen unserer erfolgsverwoehnten Krimiautorinnen fallen. Russlands kulturelles Markenprodukt bleibt ja die Literatur. Deutschland wird durch Bach und Kant auf dem Kulturweltmarkt vertreten, wir durch Tolstoi und Dostojewski.

Der russische Schriftsteller hat nur seine Aura verloren. Viktor Jerofejew ist Fernseh-Talkmaster, Viktor Pelewin gibt sich als Internet-Gespenst. Sie aehneln noch am ehesten einem Klassiker.

Ja, unsere Schriftsteller haben die Ketten der didaktischen Mission abgeworfen. Leute wie Jerofejew, Pelewin, Ulizkaja sind keine Lebenslehrer mehr. Sie werfen Fragen auf. Vom Nichtschriftsteller unterscheidet sich der Schriftsteller nur durch seinen geschaerften Blick. Er nimmt Phaenomene wahr, die der Normalbuerger uebersieht, wie ein Pilzsammler.

Wobei die russischen Pilzsammler auffaellig viele Antiutopien finden. In Pelewins neuestem Roman „Empire V“ ernaehrt die Normalmenschheit eine uebergeordnete Kaste von Vampiren. Dmitri Gluchowskis Bestseller „Metro 2033“ schildert, wie nach der Atomkatastrophe Moskauer in U-Bahn-Schaechten ueberleben.

Ganz unterschiedliche Autoren waehlen das Genre der Antiutopie. Wenn man die russische Wirklichkeit betrachtet, wirkt sie wenig literarisch. Doch wenn man ihre Umrisslinien Richtung Zukunft verlaengert, gewinnt auch die Gegenwart Tiefenschaerfe.

Ihr „Tag des Opritschnik“ ist beim russischen Publikum schon Legende. Dissidenten, Fernsehstars, Kremlgurus und Nationalisten zitieren das Buch. Als es vor gut einem Jahr in Moskau erschien, aeusserten Sie die Hoffnung, dass es wie ein Gegengift wirken und Ihr Land von dem darin skizzierten Weg abbringen koenne. Die gegenwaertige Entwicklung in Russland laesst es eher prophetisch erscheinen.

Mit seiner Machtvertikale hat Putin versucht, das Sowjetsystem wiederzubeleben. Stattdessen steht das russische Imperium Iwans des Schrecklichen wieder auf. Die neue Gesellschaftspyramide sieht im Innern und nach aussen nur Beziehungen von Befehl und Gehorsam vor. Zugleich wurde der russische Staat zum Geschaeftsmodell. Unser Moralkodex ist feudal, folgt korporativen Interessen. Ich handle so, wie mein Vorgesetzter es mir vorschreibt. Unsere Fuehrung redet uns ein, dass wir anders nicht ueberleben koennen. Dass Amerika uns erobern und Europa unsere Energieressourcen wegpumpen will.

Was koennten Sie Putin raten?

In Russland gehoert es heute zum guten Ton, die neunziger Jahre schlechtzureden. Liberalismus ist ein Schimpfwort, ebenso „Intelligenzler“. Dabei hat Russland in den neunziger Jahren bewiesen, dass es demokratisch sein kann. Damals wurde die Marktwirtschaft eingefuehrt, damals wuchs eine Mittelklasse, der wir unsere relative Stabilitaet heute verdanken. Damals orientierte sich Russland am Westen. Jelzin versuchte, Demokratie zu lernen, er schaemte sich dessen nicht. Jetzt sagt Putin, wir braeuchten keine Nachhilfe in Demokratie. Doch ich kann keine wichtigere Aufgabe erkennen. Ein demokratisches Russland wird nicht untergehen.

Welche Zukunft erwarten Sie fuer Ihr Land?

Ich hoffe, es noch zu erleben, dass meine Heimat demokratisch gefuehrt wird.

Viele russische Intellektuelle und Politiker sagen, die Europaeer haetten die russische Grossmachtpolitik mitverschuldet, weil sie in den neunziger Jahren ihre Maerkte nicht oeffneten und lieber mithalfen, die russische Industrie zugrunde zu richten. Sind Sie auch der Ansicht?

Ich war in jener Zeit oft in Deutschland und habe gesehen, wie gross das Interesse an Russland war. Unsere Fortschritte in Richtung Freiheit wurden mit echter Freude aufgenommen. Das Ressentiment gegen Europa wurde von unseren Machthabern geschuert, die lieber Feindbilder kultivieren, als Bruecken zu bauen. Unsere chauvinistische Ideologie stilisiert Russland zu einer grossen Kuh, die alle Welt schlachten und auffressen will.

Als die Praesidentenjugendorganisation der „Unsrigen“ (Naschi) sich noch die „Zusammengehenden“ (Iduschtschie wmeste) nannte, vernichtete sie demonstrativ Ihre Buecher und nannte Sie einen Pornographen. Wie sind Ihre juengsten Erfahrungen mit den „Naschisten“?

Die „Unsrigen“ sind die Sturmabteilung des Kreml, sie sollen den Enthusiasmus der Jugend vorfuehren. Oft werden sie mit dem Komsomol verglichen; das ist aber nicht korrekt. Diese Nachwuchsbuerokraten sind vollkommen zynisch. Wenn der Geldhahn zugedreht wird, werden sie sich augenblicklich aufloesen. Als im November erstmals die Kreml-Schulkinderorganisation, die „Baerchen“ (Mischki), demonstrierte, traten sie unter der Parole auf: „Danke, Wladimir Putin, fuer unsere erfolgreiche Zukunft!“ Zum Glueck komme ich neuerdings nicht mit den „Naschisten“ in Beruehrung. Die „Unsrigen“ jagen heute eher Grosswild, Oppositionspolitiker wie Michail Kassjanow oder Garri Kasparow.

Im vorigen Jahr haben Sie nach sieben Jahren Pause wieder ein Drama verfasst, das vom Moskauer Theater Praktika uraufgefuehrt wurde. Das Stueck „Kapital“ schildert, wie eine Bankbelegschaft durch mystische Gruppenrituale die Liquiditaet steigert.

Der Vorgang des Geldverdienens ist bei uns stark mythologisiert. Die neunziger Jahre waren eine Zeit blutiger Abenteuer. Den heutigen Kapitalismus erlebt das volkstuemliche Unterbewusstsein als Suche nach verborgenen Schaetzen, das man sich zumal in der Provinz als Sack Gold, als Eimer voll Brillanten oder eine Milliarde Dollar Cash vorstellt. In meinem Stueck steht der Bankdirektor, der sich fuer jede strategische Entscheidung eine Gesichtsnarbe verpassen laesst, physisch fuer die Geschaeftsentscheidungen ein. Das ist wie eine sakrale Busse. Fruehere Arbeiten fuers Theater hatten mich enttaeuscht. Doch die Praktika-Buehne ist ein lebendiges Gewaechs in der Moskauer Kultursteppe. Der Auftrag ihres Leiters, Eduard Bojakow, hat den Dramatiker in mir wiedererweckt.

Ihre Romanfiguren fuegen einander, manchmal auch sich selbst ausgekluegelte Gewalttaten zu. Inwieweit spiegelt sich darin persoenliche Gewalterfahrung?

Ich bin in einem totalitaeren Staat aufgewachsen. Die Sowjetunion wurde in den zwanziger und dreissiger Jahren durch Massenterror errichtet. Die Bolschewiken machten das Leben zum ewigen Kampf. Seit der Schule lernte man, dass man sich nie ergeben darf. Diese pathologische Weltsicht scheidet die Aussenwelt in Feinde und Verbuendete beziehungsweise „Unsrige“. Die Unterdrueckung begann im Kindergarten, wo wir stets in Zweierreihen gingen. Zum Mittagsschlaf mussten wir auf der rechten Seite liegen, die Haende unter der rechten Wange gefaltet. So formte sich der kollektive Koerper. In der ersten Klasse nahm mich die Lehrerin bei den Haaren, drueckte mein Gesicht ins Schulheft und fragte: Was steht dort geschrieben? Staendig hatte ich das Gefuehl von Erniedrigung und Schuld. Staendig gelobte ich, mich zu bessern. Das war auch das Versprechen, mit dem kollektiven Koerper zu verschmelzen.

Antoine de Saint-Exupéry hat im Zweiten Weltkrieg beobachtet, dass, wer staendig leidet, im Leiden Genuss zu finden lernt. Gibt die russische Gesellschaft ein Paradebeispiel fuer die Kunst, sich am eigenen Unglueck zu delektieren?

Die russische Kultur besitzt einen ueberreichen sadomasochistischen Erfahrungsschatz. Der Mensch lernt, sich bald als Hammer, bald als Amboss zu fuehlen. Das Verhaeltnis zwischen den Geschlechtern ist davon gepraegt. Der obrigkeitlich erniedrigte Mann sucht bei der Frau Trost, laesst aber auch seine Aggression an ihr aus. Im Gegenzug spielt die Frau Barbiepuppe, um einen Versorger zu angeln, und macht sich dann durch Bemuttern unentbehrlich. Dieser Infantilismus setzt sich in der Politik fort. Unsere Oppositionspolitiker sind wie Teenager, die gegen den Papa rebellieren, sich aber in die Hosen machen, wenn sie selbst Verantwortung uebernehmen sollen. Dazu sind sie nicht in der Lage. Jelzin konnte das. Er hat sich die Macht erkaempft. Und die Macht machte ihn gluecklich. Auch darin unterschied er sich von Putin, der nicht offen um sein Amt kaempfte und dem es, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, nicht wirklich Freude bereitet.

Das Gespraech fuehrte Kerstin Holm



Text: F.A.Z., 12.01.2008, Nr. 10 / Seite Z6
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